Jedes Jahr fallen bei uns kleine Spatzen vom Dach.

Nach einem Sturm herausgeweht, vor der Hitze geflohen und gesprungen oder aus dem Nest geworfen. Es ist zu hoch um sie wieder reinzusetzen.

Interessanterweise, fallen sie immer dann wenn kein Tierarzt offen hat und so mussten wir sie immer selbst überbrückend durchbringen. Sie waren wohlauf und putzmunter. Wir haben den ganzen Tag gejagt, was Spätzchen so fressen. Wir kamen zu nichts anderem mehr. Wir brachten sie dann zum Tierarzt der sie aufnahm, mehr oder weniger begeistert. Ist ja auch ein Haufen Arbeit ohne Geld. Jedenfalls waren sie am nächsten Tag immer Tod...

 

 


 

Dieses Jahr beschlossen wir sie nicht mehr wegzubringen und siehe da sie leben! Sie leben in unserem Garten, wo ich, wir sie jeden Tag sehen können. Sie sind wieder scheu geworden und doch zeigen sie sich, wenn niemand anderes dabei ist. Das ist wunderbar und schön. Wir sind dankbar das so erleben zu dürfen.

 

Video:

 

Unsere Vögelein

und dann gibt es da diesen einen ganz besonderen, den es nur einmal im Leben gibt, wo alle Regeln außer Kraft treten und nur noch das Herz spricht und das ist für mich die Maria, Blue und ich möchte euch hier Blues Geschichte erzählen. Die für mich sehr, sehr besonders ist. 

 

Blue

Dies ist ihre Geschichte

Sie kam in mein Leben, unerwartet, unverhofft. Eine Handvoll Spatz. Wir hatten ich glaube 2 Tage zuvor bereits Momo bekommen, auch ein Spätzchen, im Biergarten aus dem Nest jemandem auf den Teller gefallen. Meine Enkeltochter hat dort gekellnert und sie uns gebracht.

 

Ein Spatz alleine, Uschi gab uns Blue dazu ca. gleich alt. Blue war gleich stark und dominant im auftreten, wir nannten sie Blue nach dem Raptor im Jurassic Park. Sie war unglaublich schlau und Momo hatte kaum eine Chance gegen sie wenn es um Futter ging.

 

Momo starb ein paar Tage nachdem Blue bei uns eingezogen war. (Es hatte nichts mit Blue zu tun) Ich war so traurig, es tat so weh und Blue war allein, ich war allein und auf einmal waren wir immer zusammen. Sie hing in ihrem Nestchen um meinen Hals und wir waren zusammen spazieren, einkaufen, sie hat auf mir gelebt.

 

Morgens hat sie mich geweckt mit ihrem fröhlichen Gezwitscher. Ich der jemand ist, der gar nicht gerne morgens aufsteht, bin aus dem Bett gesprungen und habe sie aus dem Käfig genommen.  Wir haben gesungen den ganzen Tag gelacht und zusammen gegessen, wir hatten Spaß, jede Sekunde. Sie war unglaublich neugierig und hat alles erforscht. Mittags habe ich mich mit ihr hingelegt, was ich nie tue, und wir haben gekuschelt, sie lag auf meinem Hals und hat sich immer wieder wohlig rein gekuschelt obwohl ich keine Zeit hatte spürte ich das sie das braucht und habe es gemacht und irgendwie war das auch ein Geschenk an mich, innezuhalten und einfach nur glücklich zu Sein mit ihr.

 

Wenn ihr langweilig war hat sie meine Halskette bearbeitet oder meine Ohrringe. Meine Brille war ihre Landestation und Frustventil wenn ihr Essen nicht gleich kam. Sie hat mir immer versucht meinen Leberfleck abzudrehen, weil sie ihn für eine Zecke hielt und war echt gestresst das ich ihn behalten wollte.

 

Wenn ich mal weg war ohne sie, oder gearbeitet habe, ist sie mir lauthals zwitschernd schon auf der Treppe entgegen geflogen und hat sich sofort an meinen Hals gekuschelt und sie hat nichts gefressen, erst musste ich mit ihr schmusen, dann hat sie erst gefressen. Das wurde echt zu einem Problem.

 

Als Fred bei uns einzog war sie nicht begeistert, ich hatte gehofft das die zwei sich verstehen, trotz verschiedener Herkunft zwei einsame Vogelbabys...

Aber das hat nicht funktioniert. Blues Fixierung, Liebe wurde immer noch stärker zu mir. Ich dachte schon sie stirbt mir, wenn ich Fred zu nah an mich ranlasse. Uschi sagte Vögel können an gebrochenem Herzen sterben. Sie hat nichts mehr gefressen. Es hat sich Gott sei Dank wieder eingependelt und nach ein paar Tagen war eine Akzeptanz da, zwischen Fred und Blue. Die große Liebe wurde es nie.

Zwei Einzelkinder die Bespassung wollten. Ich bin nicht der Typ der seine Arbeit liegen lässt oder einfach mal nichts tut. Aber mit Blue, ich konnte stundenlang einfach nur mit ihr sein und war grenzenlos glücklich. Einfach so. Es war unglaublich. Ich habe für sie alles liegen gelassen, wenn ich spürte, dass sie Nähe sucht und ich habe jede einzelne Sekunde ausgekostet, sie war so kostbar.

 

Sie hat immer so leicht mit den Flügel geflattert wenn sie sich gefreut hat. Immer wenn sie mich gesehen hat, hat sie das gemacht. Sie neckte mich, forderte mich heraus, kämpfte mit meinem Schmuck und klaute die Trauben aus meinem Müsli. Sie liebte Trauben. Heute ist sie unter dem Traubenbogen in unserem Garten und hat dort ihr letztes Zuhause gefunden.

 

Sie starb in meinen Händen, hatte Krämpfe, wand sich, es war wie ein Todestanz. Ich betete für sie, gab ihr Heilung, aber als der Tanz begann, wusste ich das es vorbei ist. Es war als würde sie ihren Körper selbstlos freigeben, als Futter für andere Tiere indem sie so auffällig starb. Ich erkannte in dem Moment das die Natur gar nicht grausam ist, wie ich zuerst dachte, ich erkannte das alles einem höheren Zweck dient und Blue gab sich hin und litt und kein Tier kam um sie zu holen. Ich wollte ihr helfen und es beenden. Ein Freund ein wahrer Freund tut so etwas. Es war kurz vor Mitternacht kein Tierarzt. Ich weiß nicht ob es Minuten waren oder nur Sekunden. Es war schrecklich und ich hielt es aus. Ich hatte 2 Szenarien im Kopf wie ich es beenden könnte doch eine Stimme in mir sagte "tue es dir nicht an" ich wollte nicht mein Leid vor Blues Leid stellen und entschied mich es zu tun.

 

Ich musste es nicht mehr tun, sie ging dann. Ich konnte nicht weinen, war wie betäubt. Ich reinigte mein Bett, sie hatte erbrochen und Durchfall bekommen es ging dann so schnell. Ich ging Duschen und nahm sie überall hin mit. Ich wollte im selben Raum mit ihr sein, sie nicht alleine lassen. Ich hatte sie in ihr Nestchen gelegt. Ich stellte sie mit einer Kerze in eine Feuerfeste Schale und ging zu Bett. Ich dachte ich würde nicht schlafen können, wartete auf den Schmerz, aber stattdessen schlief ich einfach ein.

 

Als ich Morgens erwachte, war da kein Gezwitscher, keine Blue, ich brach zusammen und die Tränen flossen und in mir war ein abartiger Schmerz der unerträglich war. Ich schrie, weil ich es nicht aushielt, ich wippte und wusste nicht wohin mit mir. Es war entsetzlich!

Ich zwang mich durchzuatmen, den Schmerz anzunehmen, ihn da sein zulassen. Ich akzeptierte was geschehen ist.

 

Ich hatte Blue freigegeben als Uschi mir sagte, das wenn sich die Vögel so verhalten sie sterben werden. Sie torkelte auf dem Käfigboden umher und legte sich hin, auf den Käfigboden, was sie noch nie getan hatte. Da rief ich Uschi an. Sie war gleich ehrlich zu mir und sagte wenn sie so etwas machen und die Nähe so suchen, sind sie meist am nächsten Tag tot. Sie war den ganzen Tag auf mir, wollte nicht fliegen suchte immer Wärme.

 

Es brach mir das Herz und ich konnte kaum mehr sprechen. Ich weiß das Tiere nicht gehen können, wenn wir Menschen sie nicht freigeben, sie wollen dann aus Liebe bleiben und es ist dann ein Sterbekampf. Ich wollte nicht das das geschieht und sprach zu ihrer Seele, das ich sie liebe und freigebe. Sie möge bitte wählen ob ich sie mit Heilung zum Leben unterstütze oder für sie beten soll das es schnell geht. Ich weiß nicht wie sie sich entschied ich war zu blockiert vor Schmerz um es wahr zunehmen. Ich wollte nur das es ihr gut geht, was auch immer sie will. Das war auch so schlimm dieses loslassen, aber ich habe es geschafft, weil ich sie liebe. Ich habe einfach Heilung fließen lassen für was auch immer sie will und mich rausgenommen. Ich muss mir heute keine Vorwürfe machen, nicht losgelassen zu haben.

 

Durch den Schmerz von Blue hat sich in mir eine Tür geöffnet zu einem vergleichbaren Schmerz den ich als Kind erlebt habe und komplett verdrängt hatte. Ein Trauma, durfte sich lösen und Blue hat mit ihrem Tod eine noch tiefere Heilung in mir bewirkt als sie es durch ihr Sein in meinem Leben schon getan hat. Sie hat mich wahre Achtsamkeit und Hingabe gelehrt, mein ganze Liebe ausgehalten und mich genommen so wie ich bin. Sie hat mich bedingungslos geliebt, so wie ich sie liebte und nun ist sie fort an einem sehr wahrscheinlich besseren Ort.

 

Sie hat mich nochmal besucht am Tag nach ihrem Tod, saß auf meiner Schulter ich konnte sie hören. Ich sagte zu ihr, ich füttere gerade Fredi, normalerweise hätte ich mich schuldig gefühlt, so war mein früheres Ich, aber ich war frei, da war keine Schuld. Ich sagte, ich füttere Fredi und sie meinte wohl eher Frederike und ich musste lachen und fort war sie.

 

Ich höre sie immerzu und ich dachte was ist das denn? Blue hat so viele verschiedene Geräusche machen können und jetzt weiß ich, was ich höre. Sie hat versucht die Geräusche um mich herum oder auch die die ich mache nachzumachen. Sie hat sogar versucht Fredi zu kopieren einen Stieglitz als Spatz nachzusingen (eine schwere Aufgabe), weil sie so auf sich aufmerksam machen wollte. Sie war so lieb. Sie fehlt mir und es tut so weh.

 

Ich habe jede Sekunde mit ihr genossen, wirklich bewusst genossen, so etwas habe ich mir bewusst vorher nie vergönnt. Danke für all das, was du mich lehrtest kleine Blue. Es ist so wertvoll und kostbar und du bist in meinem Herzen.

 

 

Bilder Galerie Blue

 

 

 

Liebe Blue, ich habe dein Leben deine Geschichte mit Bildern und Videos dokumentiert, weil ich den Menschen zeigen wollte das man einen kleinen "dreckigen Spatz" nicht einfach "flacken" lässt, sondern ihn rettet. Ich will ihnen zeigen das die Vögel, dass sie einen Charakter haben, jeder einzelne und ein Bewusstsein und so viel Seele und Schönheit.  Ja dass sie auf ihren Namen hören und unendlich schlau und liebevoll sind. Sie haben ein Ich Bewusstsein, so wie wir auch und sie fühlen Liebe und Nähe so wie wir auch, nur aufrichtiger, ehrlicher, reiner.

 

Ich bereite die Vögel auf ihr Leben vor so gut ich kann und Blue s Ende bei mir hätte die Auswilderung sein sollen. Die Volliere die wir gerade bauen war hauptsächlich für sie, damit ich sehen kann ob sie klarkommt. Sie hätte ja auch bleiben dürfen. Ich habe mir jedoch für sie gewünscht das sie unter freiem Himmel fliegen kann, Babys bekommt und frei ist. Ich mag keine Tiere in Käfigen. Sie war nur zum Schlafen und zum fressen und schaukeln drin.

 

Sie sollte frei sein und Babys kriegen und mich vielleicht ab und an besuchen, so der Traum und jetzt ist sie in unserem Garten, aber ganz anders als ich es dachte. Wir werden die Volliere blau streichen in Gedenken an Blue die immer dieser eine ganz besondere Vogel sein wird, in meinem Herzen.

 

Videos mit Blue

 


Auswilderung

 

Ich finde es unendlich traurig, dass ich meinen Vögelchen beibringen muss sich von Menschen fernzuhalten, denn sie mögen Menschen und wären für jeden eine Bereicherung, würde er sich auf sie einlassen, mit offenem Herzen. Aber die Menschen und auch ihre Kinder sind so unbedacht und oft schlecht, gemein und grob zu ihnen. Ist es nicht traurig das wir so geworden sind? Ich finde es schrecklich sie zu entfremden, um sie so vor meinesgleichen schützen zu müssen.

 

Uschi meinte ich soll beim nächsten Mal, nicht ganz so viel Nähe aufbauen. Ich verstehe was sie meint und das wir uns so schützen sollen, aber ist das nicht traurig der Liebe zu entsagen, ihr ihre Kraft und Schönheit und Nähe zu nehmen? Weil es besser ist? Ist das besser auf Abstand zu gehen, wenn die Möglichkeit zur Liebe besteht? Ist das besser? 

 

Ich bereue keine einzige Sekunde mit Blue. Ich nehme den Schmerz mit Handkuss für das Geschenk ihrer lebendigen Liebe. Sie ist und war etwas ganz besonderes. Sie hat sogar etwas in mir und meinem Mann geöffnet das uns auf einer ganz anderen, tieferen Ebene berührt. Wir wollen uns so lieben wie sie es uns gezeigt hat, ehrlich, unbedarft und frei. Das ist schön...

Danke, danke, danke

 

Ich weiß nicht, was in Zukunft wird. Jetzt ist erst mal Fred zum füttern. Die Volliere fertig zu bauen und Fred aus zu wildern und dann geht es im Frühling weiter. Vielleicht werde ich eine Päppelstation, die auch keine Namen mehr vergibt und Nähe nur bedingt zulässt, weil ich es nicht ertrage. Ich weiß es nicht. Ich weiß das ich es "eigentlich" nicht will. Ich werde meinem Herzen folgen und es mir zutrauen. Aufgeben möchte ich es jedoch nicht. Es macht ja kaum einer und der Bedarf ist groß und es gibt mir so viel. Also, es ist zu tun und es wird sich zeigen, was für die Vögel das Beste ist.

 

Fili, Kili, Gimli, und Sina waren ganz anders als Blue oder Momo,  sie haben sich zwar auch mal in die Hand gekuschelt, waren aber auch super gerne im Käfig und haben sich dort wohl und sicher gefühlt. Sie haben nie so starken Kontakt zu uns gesucht. Wir wussten gar nicht, das das geht, das man zu einem Vogel so eine Beziehung haben kann.

 

Ein jeder Vogel ist anders, hat seine eigenen Bedürfnisse. Sie sind unglaublich zerbrechlich körperlich und auch emotional und irgendwie immer gefährdet. Sie lehren uns Achtsamkeit. Bewusstheit und Fürsorge, aber auch Selbstfürsorge. Rhythmus und Disziplin. und frühes Aufstehen :)

 

Alle haben sie ein Ich Bewusstsein und einen eigenen Charakter, den ich euch anhand der Bilder und Videos aufzeigen möchte. In unserem Blog möchte ich ihre Geschichten erzählen. Sie alle wussten/wissen wie sie heißen und konnten sehr feinfühlig unsere Stimmungen wahrnehmen.

 

Unser Ziel ist es nicht die Vögel zu vermenschlichen. Das mit Blue war nicht geplant, es hat sich so ergeben. Es war auf einmal einfach so. 

 

Fili, Kili, Gimli, und Sina unsere Spatzen, fliegen im Garten, immer zusammen, seit ihrer Auswilderung. Sie sind geblieben und nicht gegangen. Inzwischen sind sie auch mir gegenüber scheu geworden, zeigen sich auf Abstand aber immer noch gerne. Die 4 waren von Anfang an scheu gegenüber anderen Menschen. Momo und Blue waren das nicht sie suchten Nähe, Wärme und Liebe.

 

Bild: Fili, Gimli, Kili und Sina

 

Fünf leben, zwei sind gestorben, beide verstorbenen haben mir nichts genommen, sie haben mich reich beschenkt.

 

 

Ich mache weiter...