Der SEELENSTEIN

Wie alles begann....

 

Vor einiger Zeit vollzog ich eine mehrwöchige Reha- maßname im Allgäu. In dieser Einrichtung gab es wie üblich verschiedene Therapien und Anwendungen. Unter anderem die Kunsttherapie. An meinem ersten Tag betrat ich die Räume der Kunstabteilung voller Vorfreude. Denn ich hatte einen genauen Plan was ich erschaffen wollte. Eine Weltkugel aus Ton für mein neues Logo.

Bei den ersten Worten der Kunsttherapeutin wurde ich jedoch schnell eines anderen belehrt. „In der Kunsttherapie ist ein Zielorientiertes arbeiten nicht gewünscht“. „Na gut“-, dachte ich, dann halt nicht. Dann wurde mir erklärt was man alles machen konnte. Aquarell, Pastellkreide, Acryl, Ton und Speckstein. Speckstein war mir neu. Zwar wusste ich das Speckstein sehr weich und einfach zu bearbeiten war, aber Erfahrungen damit hatte ich noch keine. Es gab eine große Kiste mit den verschiedensten Steinen. Dicke, dünne, große und kleine. Einige waren schwarz, andere hatten einen smaragdgrünen Touch. Mir stach ein großer Schwarzer ins Auge.

 

Da lag nun dieser Brocken vor mir und ich wusste nicht so recht was ich mit ihm anfangen sollte. Dann viel mir mein Seminar Baumatmen  ein und wie ich anfangs zur Begrüßung des Baumes meine Hände auf den Baum legte. Also tat ich dies ebenfalls bei dem Stein. Dann geschah etwas wunderbares. Ich begann einen Dialog mit dem Stein. Ich schloss die Augen, fühlte und spürte den Stein ...ja, in den Stein hinein und fragte „ Was möchtest Du von mir...wie darf ich mit Dir arbeiten? Intuitiv oder eher in Form eines Gedankens, ergriff ich eine große Raspel und fing an den Stein zu bearbeiten. Anfangs arbeitete ich erst zaghaft tiefe Rillen mit scharfen Kanten und sanfte längliche Vertiefungen heraus. Wenn ich das Gefühl/Gespür hatte mit einem Schritt fertig zu sein, legte ich meine Hand erneut auf den Stein. Fühlend und tastend, was als nächstes zu tun sei. Nachdem ich eine Stunde mit dem Stein arbeitete, fragte ich mich was ich da eigentlich erschuf, da ich ja ohne einen festen Plan arbeitete. Diese Erkenntnis zeigte sich mir in der Nacht als ich früh morgens aufwachte. Nur ein Wort.... „Seele“ war in meinem Kopf. Am darauf folgendem Tag als der Stein wieder vor mir lag und ich die tiefen Rillen und Kerben, Vertiefungen und rauen Flächen betrachtete war es mir klar.

 

Vor mir lag ein Abbild meiner Seele.

 

Jede Rille und Vertiefung, jede Kerbe und jedes abgemeiselte Stück war ein Ereignis oder eine Erfahrung die tiefe Spuren auf meiner Seele hinterließen. Ob es die elterlichen Erziehungsmuster waren, die schulischen Qualen, die Ausbildungs- und Militärzeit, die Zeit der Scheidung oder die Neuzeit mit Musik und einer neuen schöneren Lebensqualität.

Ja, vor mir lag ein Bildnis meiner Erfahrungen.

 

Im laufe der Reha spürte ich noch tiefer in den Stein und erkannte welche Muster/ Erfahrungen bearbeitet werden wollten. Die Stelle der Scheidung zb., wurde von erst tiefen Rillen zu sanften Wellen, da ich mit diesem Lebensabschnitt meinen Frieden gemacht hatte. Ja, man kann sagen, ich hatte eine Art „INVENTUR“ der Seele. Ohne Verurteilung oder Bewertung, mit der Möglichkeit zu erkennen mit welchem Lebensabschnitt ich meinen Frieden gemacht hatte und woran ich noch arbeiten darf.

 

Der Seelenstein war geboren.